"Globale
Am Donnerstag (20.9.) findet in München der vierte „Communication Day“ statt. Gastgeber und ZenithmediaMünchen-Mann Wolfgang Schuldlos (u.) hat uns gerade auf einen Kaffee im Clap-Club besucht. Dabei verriet der Agenturchef etwas über eine mögliche Kommunikation im Jahr 2020, die „Schwarm-Theorie“ und seine persönliche Unter-Druck-Arbeitsweise.
Herr Schuldlos, haben Sie Ihren Vortrag eigentlich schon fertig?
In Anbetracht dessen, dass ich immer irgendwelche Interviews geben muss (lacht) oder mich mit Kunden verlustigen darf, ist es ziemlich schwer, einen Vortrag schon zwei Tage davor vorbereitet zu haben. Die Idee steht. Das Konzept ist da. Nur der letzte Schliff passiert meistens erst einen Tag vorher – wenn der Druck da ist, und die kreative Ader einsetzt.
Über was werden Sie sprechen?
Über Zielgruppen im Jahr 2020. Zielgruppen sind abhängig von Medien und von gesellschaftlichen Trends. Es wird dann keine Zielgruppen im klassischen Sinn mehr geben, sondern Consumer-Panels. Die wiederum sind über digitale Ansprache sehr individuell und fein aussteuerbar.
Warum haben Sie sich 2020 als Jahr vorgenommen?
Es hört sich gut an!
Der einzige Grund?
Nein. Es lag daran, dass die meisten Prognosen bis maximal 2015 gehen. 2020 wird augenblicklich von sehr wenigen beleuchtet. Obwohl die Prognosen, was die mediale Entwicklung angeht, eher darauf hindeuten, dass sich im TV- und Radio-Bereich die ganzen Entwicklungen erst 2020 vollzogen haben werden. So dass man sagen kann: OK, dann haben wir eine Medienwelt, die vollkommen anders tickt als etwa 2015 oder 2010.
Was wird 2020 in der Kommunikation anders laufen?
Zunächst einmal werden wir eine sehr individuell geprägte Situation vorfinden. Der Verbraucher wird zwar nicht mehr fassbar sein über soziodemographische Merkmale – aber sich dennoch in Massen bewegen lassen. Das Stichwort hier heißt „Schwarm-Theorie“.
Also kopflos jemandem folgen?
Nicht ganz. Vielmehr heißt es, dem anderen Verbraucher relativ wenig nahe zu kommen. Aber trotzdem in die gleiche Richtung zu schwimmen. Das wird nicht mehr so funktionieren, dass jemand etwa sagt „Ich bin Coca-Cola-Trinker“. Viel eher schaut man: Was sind im Augenblick meine Bedürfnisse, und passen diese vielleicht zusammen mit bestimmten Networks, mit anderen Gruppen. Der Verbraucher wird sich dann mit den anderen zusammen bewegen. Aber immer Wert darauf legen, individuell zu bleiben.
Welche Rolle wird die Digitalisierung in diesem Zusammenhang spielen?
Na, ja, eine revolutionäre: Radio und Fernsehen wird es in dem klassischen Sinn dann wahrscheinlich nicht mehr geben. Große Internet-Dienstleister oder Software-Hersteller werden in den Unterhaltungssektor einbrechen und diese Medienkonvergenz nutzen. Durch Fusionen werden globale Medienriesen entstehen, die aber sehr fein strukturierte Patchwork-Angebote auf die Beine stellen.
Sie haben die Werbeblogger-Macher als Referenten für die Themenwelt Blogs eingeladen. Blogs scheinen Ihrer Einschätzung als Mediaplaner nach also offenbar keine unwesentliche Rolle zu spielen.
Unbedingt – als Part von Communities. Communities werden für uns künftig sehr viel stärker von Interesse sein. Weil sie themenbezogen ablaufen. Es wird spannend sein, in Blogs werbliche Elemente einzuflechten. Glaubhafte werbliche Elemente, die die Marke nicht verwässern, sondern einen positiven Markeneffekt ergeben. Überhaupt eine Herausforderung der Zukunft: die Glaubhaftigkeit der Werbung wiederzugewinnen - gerade in Zeiten, in denen gesellschaftliche Themen immer mehr Relevanz für Marken besitzen.
Was wird Wolfgang Schuldlos im Jahr 2020 machen?
Da werde ich höchstwahrscheinlich in meinem Biergarten in Kanada sitzen und Anekdoten aus meinem Werberleben erzählen … Nein! (lacht) 2020 werde ich mich vielleicht als graue Eminenz in irgendeinem Unternehmen bewegen und genauso toll daherreden wie jetzt und hier.
Was wird er morgen Abend machen? Wir haben hier ja einen kleinen Werbe-Medien-Blogger-Stammtisch. Dabei?
Leider nein. Wie gesagt: Muss noch meinen Vortrag schleifen …
